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Der
heilige Antonius ist Franziskaner. Denn ab dem Jahr 1220,
als er den Augustinerorden verlassen hatte, reihte er sich bei
den Nachfolgern von Franz von Assisi ein und wurde "Minoritenbruder".
Er wurde in weitestem Sinn, vage und originell, Sohn und
Nachfolger von Franziskus.
Antonius
ist zutiefst "Franziskaner", doch er hat sein "Franziskanertum"
mit seiner besonderen spirituellen Sensibilität, seinem
Temperament und auf der Grundlage seiner kulturellen Bildung
gelebt, über das reine und einfache Zeugnis des Evangeliums
hinaus.
Wann
trafen sich Franziskus und Antonius? Was sind die Unterschiede
und Eigenheiten, die sie charakterisieren? Welches
sind die Gemeinsamkeiten der beiden Heiligen? Was für
eine Art Franziskaner war Antonius? Kann man von
einer direkten Abhängigkeit von Franziskus und dessen
Spiritualität sprechen?
Die
beiden Heiligen waren für sechs Jahre, von 1220 bis
1226, Zeitgenossen im Minoritenorden. Die persönlichen
Kontakte, von denen wir wissen, reduzieren sich auf drei
flüchtige Treffen.
1.
Wir wissen, dass der heilige Antonius am Generalkapitel
der Stuoie, das im Mai 1221 in Assisi gefeiert wurde,
teilnahm. Es dauerte ca. eine Woche und es nahmen gut 3000
Brüder unterschiedlichster Couleur daran teil. Antonius
sah und hörte im Gedränge Franziskus sprechen.
Das war alles. Kein Zeugnis belegt ein persönliches
Treffen der beiden Heiligen. Angesichts der Situation
war dies unmöglich. Franziskus war mit zahlreichen
und dringenden Problemen überhäuft und gesundheitlich
angeschlagen. Der Zeitplan war genau eingeteilt. Die Anwesenden
waren ein einziges Getümmel. Antonius war nur
ein junger Rekrut, allen unbekannt und durch eine
misslungene missionarische Expedition gekennzeichnet: Eine
Persönlichkeit, die sich erst noch entwickeln musste.
2.
Das einzige Zeugnis einer zweiten Begegnung zwischen
den beiden ist ein liebenswürdiger Brief, voller
Bewunderung und Anerkennung, den Franziskus dem Antonius,
"seinem Bischof", zwischen Ende 1223 und Anfang
1224 nach Bologna schickte. In diesem Brief autorisierte
er ihn, den Brüdern Theologie zu lehren, doch mit
der Auflage, dass diese nicht zu Lasten des Gebets ginge.
Die Bedeutung dieses Briefes besteht in der Investitur
Antonius als Prediger und Meister der Theologie ex cathedra
von Seiten Franziskus'. Er ist das historische Siegel
der Entscheidung Antonius' und der Art, in der Antonius
den Weg der Predigt eingeschlagen hat. Der Brief stellt
auch eine Orientierung dar, die der franziskanischen
Bewegung gegeben wurde: Sie nach den von der historischen
und ekklesiastischen Situation geforderten seelsorgerischen
Notwendigkeiten auszurichten, so wie das die dominikanischen
Zeitgenossen getan hatten. Zeichen für diese Orientierung
war auch ein Wechsel im Predigtstil: der dem modus concionandi
- typisch für Franziskus - wurde völlig zurückgestellt,
um zur Entwicklungslinie einer traditionellen religiösen
Predigt zurückzukehren, die der Heilige anreicherte
und komplizierte.
3.
Bei der dritten "Begegnung" ist Franziskus
der Hauptdarsteller. Er erscheint bei dem Kapitel
in Arles im Jahre 1224 (in den Tagen der Stigmata!),
während Antonius seinen Brüdern eine Predigt
über das Thema des Kreuzes hält. Nur ein Bruder,
Monaldo, wird Zeuge dieser Vision, nicht einmal Antonius
bemerkt sie. Die anderen erfahren nur indirekt von seiner
Präsenz. Dennoch handelt es sich hierbei immer noch
um eine Versammlung und nicht um ein freundschaftliches
Gespräch unter vier Augen, abseits und voller Vertraulichkeit.
Das Bild des praedicator ist das, was die Gegenwart
Antonius in den franziskanischen Quellen am besten repräsentiert.
Interessant ist dabei der Bezug zu einer Kapitularversammlung
von Brüdern, die von gelehrten Männern wie Antonius
auf die Predigt vorbereitet werden sollen.
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