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Die Basilika des hl. Antonius
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Casa del Pellegrino

Der heilige Antonius und die menschliche Gerechtigkeit
 


A. Lorenzetti, Die schlechte  Regierung,1337-39, Siena, Rathaus Betrachtet man die Sermones Antonius', so überrascht, dass der heilige Antonius nur selten von den menschlichen Gesetzen spricht. Er beleuchtet ihre Unzulänglichkeit und Ambivalenz, wobei er ein negatives Bild der Jurisprudenz seiner Zeit zeichnet, sei es in der Form des institutionellen Wissens, sei es bei dem juristischen Berufsstand im Allgemeinen, wie weiter unten ausgeführt wird.

Antonius offenbart in diesem Werk ein gewisses Misstrauen gegenüber der politischen Organisation der Städte und noch einen größeren Pessimismus gegenüber der Administration der Justiz in den Gerichten, bei denen er "Intrigen der Mächtigen gegen die Elenden, grausame Urteile gegen die Armen, die unschuldige Tränen vergießen und niemanden haben, der sie unterstützt", beobachtet.

Diese Skrupellosigkeit der Starken, diese Missachtung des Armen und seines Leidens lassen unseren Heiligen vor Entrüstung entbrennen.

Die Verschlagenheit der Anwälte verzerrt das Recht, das vom Schutzinstrument im Dienste des Menschen und seiner unveräußerlichen Rechte leicht zu egoistischen Zwecken und privaten Interessen missbraucht wird. Der einzige Gesetz, dem Antonius uneingeschränkt vertraut, ist das göttliche Gesetz: Dies ist vom Schöpfer in die menschliche Natur eingeprägt und seit der Verkündigung der Zehn Gebote positiv formuliert. Von Christus wurde es in der Bergpredigt zur Perfektion gebracht. In seinen Augen ist nur dies die grundlegende Norm der Praxis, die in der Lage ist, den Menschen zur wahren Gerechtigkeit zu führen.

Das Recht und die gesamte zivile und kanonische Legislatur können zweifellos einen großen Wert haben, da sie die sozialen und ekklesiastischen Beziehungen regeln. Dies bezüglich sind sie ein Mittel, das hilft nach dem göttlichen Gesetz zu leben, indem sie die Anwendung der evangelischen Gerechtigkeit vereinfachen. Der heilige Antonius beobachtet jedoch mit Betrübnis, dass in der Kirche und der Gesellschaft seiner Zeit die Jurisprudenz eine Relevanz und ein beschämendes Primat erlangt hat gegenüber des reinen Gesetzes des Evangeliums, gegenüber des wahrhaftigen Lebens des Mitleids und der Barmherzigkeit, das die christliche Gesellschaft beleben sollte. "In der Kurie der Bischöfe klingt das Gesetz von Justinian an, nicht das von Christus; diese Gottlosen erzählen Märchen, aber verbreiten nicht dein Gesetz, oh Herr, das nunmehr verlassen und verhasst ist."

Innerhalb dieser "ehebrecherischen" Vorherrschaft des Rechtes im Herzen der Kirche, um genau zu sein, an den qualifiziertesten Orten der ekklesiastischen Institution enthüllt Antonius mit schmerzerfülltem Erstaunen die Verdrehung der Werte und der Jurisprudenz, die daraus in der ekklesiastischen Praxis entstanden ist. Hiernach wird ein Kirchenhirte, wenn er einen Verstoß gegen irgendein päpstliches Dekret begeht, umgehend angeklagt, dem Gericht überstellt, für schuldig befunden und abgesetzt. "Wenn er hingegen etwas Schwerwiegendes gegen das Evangelium Christi begeht, das über allen Dingen stehen sollte, gibt es niemanden, der ihn anklagt, niemanden, der ihn abholt."

B. Angelico, Welturteil, 1431

Mit der kritischen Freiheit des Propheten, macht der Anhänger Franziskus' den Mönchen und Religiösen noch heftigere Vorwürfe: Ebenso wie die Prälaten verraten sie das Gesetz des Evangeliums im Namen ihrer Konstitutionen und mönchischen Traditionen, dabei vertreten sie jedoch ihre eigenen weltlichen, vergänglichen und leeren Interessen.

Man findet sie überall, notiert er: auf den Märkten und den Messen, wo sie kaufen und verkaufen, Verträge abschließen, im Gericht streiten, Zeugen, zivile und kanonische Advokaten anwerben, um die vergänglichen und eitlen Güter zu verteidigen. Sagt mir, oh ihr Törichten, ruft der Heilige mit empörter Ironie aus, ob in der Bibel oder in den Regeln des Benedikt oder des Augustinus etwas Ähnliches erlaubt sei; vor allem euch, die ihr den Weg der Perfektion gewählt habt, demnach ihr eure Feinde lieben und euren Verfolgern Gutes tun solltet, wobei ihr auf eure eigenen Rechte verzichten solltet! Sie sind auf beständige Art und Weise aufmerksam und anspruchsvoll gegenüber ihren Privilegien und ihrer materiellen Bequemlichkeit, die in ihren Konstitutionen vorgesehen sind, doch sie kümmern sich nicht im geringsten darum, das Gesetz Christi zu befolgen, das allen Regeln, Institutionen, Traditionen und anderen Erfindungen der Menschen vorzuziehen ist, da nur dieses Gesetz uns retten kann.



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